Die Entwicklung der Steinbeisschule

Zum 50-jährigen Jubiläum der Steinbeisschule.

 

 

Werkstättengebäude in der Steinbeisstraße 1931

Die ersten Schulgebäude in der Steinbeisstraße

In den 20er Jahren wurden die Berufs- und Meisterschüler noch in der Gewerbeschule in der Weimarstraße eingeschult.

Das Schulgebäude war jedoch schon damals zu klein geworden, so dass auf Vorschlag der damaligen Schulleitung an anderer Stelle Lehrräume und Werkstätten für die Rohbauabteilung errichtet werden sollten. So wurden unter Mitarbeit der Lehrlinge an der Steinbeisstraße eingeschossige Bauten erstellt.

Im Januar 1931 konnte in den Gebäuden an der Steinbeisstraße der Unterricht aufgenommen werden. Im Laufe der Jahre wurden weitere Behelfsbauten erstellt, bis 1939 der Ausbau der Schule als einigermaßen abgeschlossen angesehen werden konnte: Maurer, Zimmerer, Gipser, Fliesenleger und Baupraktikanten hatten eine eigene Ausbildungsstätte erhalten. Für auswärtige Schüler war sogar eine Schlafgelegenheit vorhanden.

Erste Städische Gewerbeschule in der Weimarstraße.
Seit 1910 auch "Weimarschule" genannt,
1937 in "Steinbeisschule" umbenannt, seit 1951 "Robert-Mayer-Schule"

Der Neubeginn auf dem Trümmerfeld

Diese Schulbauten wurden im zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört, sodass in den Jahren 1946-47 nur eine aus den Trümmern erstellte Baracke vorhanden war. Das Schulgelände besaß keinen Zaun, so dass jeder freien Zutritt hatte. Lediglich ein Trümmerwall von etwa zwei Meter Höhe und etwa 40 Meter Länge schirmte das Gelände nach der Seite des heutigen Postgeländes etwas ab. Da keine Mittel für den Einsatz von Baumaschinen zur Verfügung standen, musste der Schutt in den folgenden Jahren so nebenher abgetragen und von Hand auf Lastwagen verladen werden. Entlang der Nordbahnhofstraße hatte die Baufirma Gottlob Schenk einen Lagerplatz, und in Richtung der heutigen Rosensteinschule hatten die Anlieger der Steinbeisstraße Kleingärten angelegt.  
Werkstättengebäude 1950
Noch immer gehörte die Schule zur Gewerbeschule in der Weimarstraße, wo auch der theoretische Unterricht erteilt wurde und sich auch die gemeinsame Schulleitung befand. Außer den Maurern, Zimmerern, Gipsern und Fliesenlegern gehörten zu dieser Schule auch die Flaschner, Installateure, Heizungsbauer, Schlosser, Schreiner und Maler. Der Werkstattunterricht für die Maurer und Zimmerer fand in der Steinbeisstraße, für Gipser und Fliesenleger in der Sophienstraße statt. Der Unterricht war damals berufsbegleitend.

Im Rahmen des Werkstattunterrichts, der vorwiegend im Freien stattfand, entstanden in den Jahren 1948 - 1950 weitere Baracken und eine Werkhalle für Maurer und Zimmerer, so dass die Schüler nunmehr in sieben Schulsälen unterrichtet werden konnten.Auch die Hilfspolierkurse hatten nun eine Bleibe gefunden. Eine kleine Wohnung für eine Hausmeisterfamilie wurde in dieser Zeit auch bezogen.

Die Schule wird selbständig

Im Jahre 1951 wurde unsere Schule von der Weimarschule getrennt und bekam einen eigenen Schulleiter (Herr Lessing).Für ihn wurde zunächst ein kleines Dienstzimmer mit ca. 12 m² als Anbau an eine Baracke erstellt. Kurze Zeit später konnte er in eine für die Schulleitung mit Sekretariat und Lehrerzimmer fertiggestellte kleine Baracke entlang der Steinbeisstraße einziehen. Das Bauen mit unseren Schülern ging weiter: Schulsäle für Fliesenleger und Gipser kamen hinzu, so dass nun insgesamt neun Schulsäle, eine Werkhalle für Maurer und Betonbauer, zwei Zimmererwerkstätten und zwei Werkstätten für Fliesenleger zur Verfügung standen. Nun wurden auch die Meisterschulen für Maurer, Zimmerer und Fliesenleger eingerichtet. Die Meisterprüfungen für Maurer fanden mehrere Jahre in der zu diesem Zweck bestuhlten Maurerhalle statt, bis die Handwerkskammer Stuttgart ihren Neubau an der Heilbronnerstraße beziehen konnte.

Neues Schulgebäude

Mit den jährlich zunehmenden Schülerzahlen wurde der Bau eines Schulgebäudes erforderlich. Auf dem Gelände des Lagerplatzes der Baufirma entlang der Nordbahnhofstraße wurde ein Schulneubau erstellt, der im Mai 1956 eingeweiht wurde. Gleichzeitig wurde der Schule der Name "Steinbeisschule" verliehen.

 

Dieses Gebäude dient seither als Hauptbau für unseren Theorieunterricht. Leider verzögerte sich die Verwirklichung der geplanten zweiten und dritten Bauabschnitte der Schule, so dass über viele Jahre hinweg die in den Nachkriegsjahren behelfsmäßig errichteten Barackenbauten weitergenutzt werden mussten. Dies führte zum Zustand jahrelanger Raumnot.
 
Der Name "Steinbeisschule" wahrt das Andenken an Ferdinand von Steinbeis ( 1807-1893 ) als den Wegbereiter für die Entwicklung der württembergischen Wirtschaft. Er veranlasste die wirkungsvolle Förderung von Handel und Gewerbe. Damit konnte sich Württemberg zu einem fortschrittlichen Industriestaat entwickeln. Industrialisierung und Erziehung waren für Steinbeis zwei wesentliche Faktoren. Er hat daher in großem Maße das gewerbliche Bildungswesen gefördert.
 

Zunehmende Raumnot

 

Der Schulneubau 1956

Diese Raumnot wurde noch dadurch verschlimmert, dass der Schule im Laufe der Jahre noch weitere Ausbildungsgänge eingegliedert wurden: Unter der Schulleitung von Herrn Sonntag ( 1962-1976 ) wurden die Bauzeichner, Techniker der Wasserwirtschaftsverwaltung, Vermessungstechniker und seit 1962 auch die Fachschule für Technik an der Steinbeisschule beheimatet. Trotz allem gelang es schon 1957, ein Betonlabor einzurichten, 1963 kam ein Kunststoffwerkraum dazu, und ab 1969 stand eine Metallwerkstatt zur Verfügung.
  In den 70er Jahren ergab sich durch die ständig steigenden Schülerzahlen die Notwendigkeit, einige Bauabteilungen der Steinbeisschule an Außenstellen zu verlagern: So waren von 1973 bis 1984 die Techniker der Wasserwirtschaftsverwaltung und die Tiefbauzeichnerklassen im alten Schulhausin Untertürkheim untergebracht. Die Vermessungstechnikerklassen wurden an die Gutenbergschule in Stuttgart-Hallschlag ausgelagert, und die Technikerabteilung zog von 1979-1986 ins alte Schulhaus in Stuttgart-Hedelfingen.

Der Erweiterungsbau

 

Werkstatt und Turnhalle

Die Erweiterungsbauten entstehen

Unter der Schulleitung von Herrn Kraus (ab 1976) gelang es, die Stadt Stuttgart von der Notwendigkeit einer Schulerweiterung zu überzeugen: In dem ersten Bauabschnitt (1982-84) wurde auf dem Gelände der alten Behelfsbauten aus den 50er-Jahren ein neues Werkstattgebäude einschließlich einer Tiefgarage errichtet, was die Anforderungen für einen zeitgemäßen Praxisunterricht in optimaler Weise erfüllt. In einem zweiten Bauabschnitt (1984-86) wurde eine Schulsporthalle errichtet, die es ermöglicht, auch die Berufsschulklassen mit Sportunterricht zu versorgen.Gleichzeitig entstand der dringend benötigte Erweiterungsbau für die Theorieunterricht, der heute von der Technikerabteilung, der Meisterschule für Maurer, dem Berufskolleg und von der Vermessungsabteilung belegt wird. Die offizielle Einweihung der Neubauten fand am 12. Oktober 1984 statt.

Die Einführung der Vollzeitschulklassen

Schon im Jahr 1955 wurde vom berufsbegleitenden Unterricht auf den kursmäßigen ( "Block"-)Unterricht umgestellt, der bis heute beibehalten wurde (mit Ausnahme der Bauzeichnerklassen). Mit dem Schuljahr 1969-70 gab es das erste Berufsgrundbildungsjahr (BGJ Bau-Holz). Aber nur für relativ kurze Zeit. Danach wurde das Berufsfeld "Holz" von "Bau" getrennt. Heute werden alle Bauberufe an der Steinbeisschule mit Ausnahme der Bauzeichner und der Vermessungstechniker im ersten Jahr als Berufsfachschule Bau (BFB) im Vollzeitunterricht geführt.
© Robert Lehmkühler, Berufskolleg für Bautechnik,
aus der Festschrift von Klaus-Dieter Straub zum 30-jährigen Bestehen der Fachschule für Technik (1992)

Der gute Ruf der Steinbeisschule

Die Steinbeisschule Stuttgart ist heute eine hervorragend ausgestattete Berufs- und Fachschule, die über ein Kollegium von fachlich und pädagogisch ausgezeichnet ausgebildeten Lehrern verfügt, was dieser Schule in Fachkreisen zu einem sehr guten Ruf verholfen hat. Absolventen der Steinbeisschule sind gesuchte und geschätzte Fachkräfte am Bau.
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